Vor wenigen Tagen erhielt Salah Uddin Shoaib Choudhury kurz vor Feierabend
Besuch von Bangladeschs Geheimpolizei. Der Herausgeber der in Dhaka
erscheinenden Zeitschrift Blitz musste seine 30 Mitarbeiter nach Hause schicken,
denn die Agenten wollten keine Zeugen. Sie konfiszierten alle Telefone und
durchsuchten sein Büro, bis sie in der Schreibtischschublade fanden, was sie
dort laut Choudhury selbst platziert hatten: Drogen. Mit verbundenen Augen wurde
er abgeführt, um auf der Wache stundenlang bedroht und als "zionistischer Spion
und jüdischer Agent" beschimpft zu werden. Spät in der Nacht durfte er
schließlich gehen. Verglichen mit dem, was Choudhury schon hinter und womöglich
noch vor sich hat, war das eine harmlose Episode.
Denn der Mann muss mit der Todesstrafe rechnen, weil er versucht, Moslems,
Juden und Christen miteinander zu versöhnen. "Die Zeitung Blitz ist das einzige
Medium in der muslimischen Welt, das offen zur Anerkennung des Staates Israel
aufruft", erklärt Choudhury. "Krieg nützt doch niemandem etwas, und schließlich
glauben wir alle an den gleichen Gott." In seiner muslimischen Heimat reicht das
für den Vorwurf der Volksverhetzung, des Hochverrats und der Blasphemie.
Die seit 2005 bestehende Anklage ist eine der wenigen Konstanten der Politik
Bangladeschs. Zwar hat das Land seit Jahren keine richtige Regierung. Doch das
Chaos in dem armen und rückständigen Land hat gerade die Macht der radikalen
Islamisten gestärkt, die sich Choudhury zum Feind gemacht hat. In seinem kurz
nach den Anschlägen vom 11. September gegründeten Magazin, das in englischer
Sprache mit einer Auflage von 6 000 Exemplaren sowie im Internet erscheint,
veröffentlichte er mehrfach investigative Reportagen über die Existenz von
Terrorcamps, El-Kaida-Lagern und Ausbildungsstätten für Selbstmordattentäter in
Bangladesch.
Die Rache war grausam: Im November 2003 wurde er am Flughafen in Dhaka
verhaftet, als er zu einer Friedenskonferenz in Tel Aviv fliegen wollte.
Bangladesch verbietet seinen Staatsbürgern Reisen nach Israel. 17 Monate wurde
er ohne Anklage eingesperrt und nach eigenen Angaben massiv gefoltert. 2005 kam
er auf Druck des amerikanischen Außenministeriums frei.
Mehrfach habe man ihn seitdem aufgefordert, ins Exil zu gehen, sagt
Choudhury. Doch obwohl der Familienvater durchaus kosmopolitisch ist - der Sohn
eines wohlhabenden Unternehmers studierte in London Wirtschaft und arbeitete
später als Korrespondent für die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass - will
er das Feld nicht seinen Gegnern überlassen. Zwar reiste der Mittvierziger im
vergangenen Jahr zweimal in die USA, kam jedoch jedes Mal nach wenigen Tagen
zurück. "Wer flieht, hat verloren", sagt der fromme Moslem, der sich selbst als
"islamischen Zionisten" bezeichnet.
Am 15. April hat der Versöhner seinen nächsten Gerichtstermin.
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Foto: Salah Uddin Shoaib Choudhury Menschenrechtler aus Bangladesch